Der Vierschornsteiner Deutschland
"The Cocktail Shaker"

von Thorsten Totzke



Die Deutschland vor dem Stapellauf
Sammlung Thorsten Totzke


Ende des 19. Jahrhunderts war die Hamburg Amerikanische Paketfahrt Aktiengesellschaft (HAPAG) die Größte Reederei der Welt. Die Konkurrenz vom Norddeutschen Lloyd in Bremen aber hatte die schnelleren Schiffe. Ihre Kaiser Wilhelm der Grosse hielt den Rekord für die schnellste Atlantik Überquerung und es waren bereits weitere Rekordbrecher vom Lloyd angekündigt.

Die Deutschland
Sammlung Thorsten Totzke

Das konnte die Hapag so natürlich nicht lassen. Albert Ballin ließ daher auf der Vulcan Werft in Stettin ein Schiff in Auftrag geben, welches noch vor weiteren Schiffen der Kaiser Klasse des Lloyd in Dienst gestellt werden sollte und dem Dicken Kaiser, so wurde die Kaiser Wilhelm der Grosse im Volk genannt, den Rekord abnehmen sollte.

So wurde mit dem Bau der Baunummer 244 begonnen.

Pünktlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Schiff fertig, um zu Wasser gelassen zu werden.
Am 10. Januar 1900 versammelte sich eine Große Menschenmasse auf der Vulcan Werft um den Stapellauf des neuen Meisterwerks mit anzusehen. In Anwesenheit seiner Majestät des Kaisers, eines guten Freundes von Albert Ballin, taufte der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Graf Bernhard von Bülow,das Schiff mit einer Flasche Champagner auf den Namen
"Deutschland". Noch im selben Jahr wird Graf von Bülow zum Reichskanzler des Landes.



Der Speisesaal der Deutschland
Sammlung Thorsten Totzke


Der weitere Ausbau des Schiffes ging schnell voran und bereits Anfang Juni 1900 konnten die Probefahrten beginnen. Die Deutschland lief die Oder hinab und dann passierte es...ein Ruck ging durch das neue Schiff und dann stand es still. Die Deutschland war auf Grund gelaufen.7 Schlepper bemühten sich das Schiff wieder flott zu bekommen. Trotz dieser Menge an Schleppern dauerte es 14 Tage bis das Schiff wieder loskam und seine Fahrt fortsetzen konnte.

Am 25. Juni 1900 wurde das Schiff dann offiziell an die Hapag übergeben.

Am Mittwoch, den 04. Juli beginnt die Jungfernreise der Deutschland in ihrem Heimathafen Hamburg. Nach Zwischenstops in Cherbourg und Plymouth ließ Kommodore Adolph Albers die 37800 PS von der Leine und nur 5 Tage, 15 Stunden und 46 Minuten später lag das Schiff in New York. Der Geschwindigkeitsrekord von der alten in die neue Welt gehörte der Deutschland.



Eingang zumn Rauchsalon der  Deutschland
Sammlung Thorsten Totzke


Die Rückreise sollte dem Stolz Deutschlands dann auch in die andere Richtung den Rekord sichern. Hier konnte sogar noch eine Schippe draufgelegt werden. Während die Hinfahrt mit einer Duchschnittsgeschwindigkeit von 22,42 Knoten absolviert wurde, waren es auf der Rückreise 22,46 Knoten.

Der Geschwindigkeitsrekord in beide Richtungen gehörte somit zum ersten und zum letzten mal einem Schiff der HAPAG.

Die zweite Reise nach New York brachte eine Tragödie mit sich. Der vierte Offizier E. Thiele erschoss sich am 01. August 1900 in seiner Kabine an Bord. Er wurde auf See bestattet. Bei der Ankunft in Ney York wurde das Schiff von einer Frau erwartet, die sich sofort nach Thiele erkundigte. Sie erzählte später dass er ihr vor der Abfahrt ein Telegramm geschickt hatte und darin mitgeteilt hatte dass er sich vor der Ankunft in New York umbringen werde.

Diese Tragödie hätte eventuell verhindert werden können, aber zu dem Zeitpunkt hatte die Deutschland noch keine Funkanlage an Bord. Diese wurde im Frühjahr 1901 eingebaut und zwar von dem deutschen Hersteller Slaby-Arco.

Im Mai 1901 reiste dann der große Mann der Hapag, Albert Ballin, mit der Deutschland nach New York.

Die Deutschland
Sammlung Thorsten Totzke


Bei der Überfahrt die am 26. Juni 1901 in Hamburg begann und die am 17. Juli dort wieder endete legte die Deutschland noch mal ein wenig an Geschwindigkeit zu. In der West Richtung erreichte sie 23,06 Knoten und in der Ost Richtung 23,51 Knoten. Damit bestätigte das Schiff noch mal seinen Ruf als Rekordbrecher.

Allerdings hatte die Deutschland auch ein Problem. Bei hohen Geschwindigkeiten vibrierte das Schiff so stark, dass es vom Internationalen Publikum schnell den Spitznamen "The Cocktail Shaker" verliehen bekommen hat.

Am 22. April 1902 geht mitten auf dem Atlantik ein Ruck durch das Schiff. Danach war das Schiff nicht mehr steuerfähig. Eine schnelle Untersuchung ergab, dass die Deutschland ihr Ruder verloren hatte. Außerdem war der Hintersteven gebrochen.

Kommodore Albers schafft das Meisterwerk das Schiff nur mit den Schrauben zu steuern und so die Reise beenden zu können. Nach Ankunft des Schiffes in Cuxhaven bricht der Kommodore zusammen und stirbt in den Armen seines 1. Offiziers an Herzschlag. Vermutlich war die Anstrengung zuviel für ihn.

Sein Nachfolger wird Kapitän H. Barends der allerdings nur 20 Monate an Bord bleibt. Davon lag das Schiff aber auch 6 Monate in Reparatur.

Am 07. Mai 1902 erreicht die Deutschland die Werft von Blohm & Voss in Hamburg. Eigentlich verfügte die WErft zu diesem Zeitpunkt noch über kein Dock um das Schiff aufnehmen zu können. Aber das Dock war im Bau und wurde beschleunigt fertig gestellt.

In der Wartezeit wurden kostspielige Verbesserungen an der Maschine vorgenommen. Auch der neue Hintersteven musste erst bestellt und hergestellt werden.

Im September ist dann das Neue 17.000 Tonnen Dock fertig und die Deutschland wird eingedockt.

Die Deutschland im Dock
Sammlung Thorsten Totzke


Am 06. November geht das Schiff wieder zurück in den Dienst. Leider sind die erhofften Verbesserungen durch den Umbau im Bezug auf die Störanfälligkeit der Maschine nicht eingetreten.

Im Herbst 1903 begann die Hapag damit in den USA Werbung für eine Winterkreuzfahrt von New York nach Genua zu machen. Vor Beginn der Reise geht das Schiff Ende Dezember 1903 noch einmal bei Blohm & Voss ins Dock und bekommt dort von der Behörde für das Auswandererwesen ein seetüchtigkeits- Attest. Während dieser Untersuchung wechselt dann auch das Kommando wieder und Kapitän Barends geht von Bord und übergibt das Schiff dem neuen Kapitän Carl Kaempff der nun die nächsten 6 Jahre das Kommando behält.

Am 20. Januar 1904 beginnt dann die Winterkreuzfahrt in New York. Die Reise ist ein voller Erfolg und der ehemalige New Yorker Bürgermeister Seth Low, der als Passagier an Bord war, brachte als Chairman des Passagierkomitees am Ende der Reise begeisterte Toasts auf Kaiser Wilhelm, Präsident Roosevelt und Kapitän Kaempff aus. Bei der Ankunft in Neapel schickte Low im Namen der Passagiere Telegramme an den Kaiser und die Hapag. Die Passagiere regten bei der Hapag an, so eine Mittelmeer-Reise alljährlich zu wiederholen.

Im Juli 1904 änderte die Hapag die Route der Deutschland. Nun war nicht mehr Plymouth Zwischenhafen sondern Dover.

Auf der ersten Reise mit Zwischenstop in Dover war auch John Jacob Astor mit seiner damaligen Frau an Bord. Astor reiste sehr viel über den Atlantik. Er mochte die Deutschen Rekordbrecher und fuhr daher auch in den folgenden Jahren mehrmals auf allen Schiffen der Kaiser-Klasse des Norddeutschen Lloyd bevor er am 15. April 1912 sein Ende fand. Er starb, wie sollte es anders sein, auf dem Nordatlantik bei dem Untergang der RMS Titanic.

Auf dieser Reise gerät die Deutschland am 01. Juli auf Höhe des Nantucket Feuerboots in Nebel. Die Geschwindigkeit wurde gedrosselt und das Nebelhorn sendete seine Signale in den dichten Nebel. Trotzdem geschah ein Unglück. Die Deutschland rammte den Schoner "Harry G. French" der von Gloucester mit einer Ladung gesalzenem Fisch nach NY unterwegs war. Der Schoner sinkt und Captain Rufus Mackay und seine 17 Mann starke Besatzung werden von der Deutschland gerettet.

Die Deutschland trägt keine Schäden davon und wird auch von jeder Schuld freigesprochen.

Im Januar 1905 kann Kapitän Kaempff seine 150. Ankunft in New York feiern. Im zu Ehren geben Freunde ein Fest und er bekommt eine Medallie verliehen von Präsident Roosevelt.

Die Victoria Luise
Sammlung Thorsten Totzke


Nach der Rückkehr aus New York werden Umbauten an Bord vorgenommen. Dabei fällt unter anderem das Wiener Cafe an Bord weg. Dafür werden die Kajütenkapazitäten erhöht.

Kapitän Kaempff übernimmt während der Umbauphase kurzfristig das Kommando über die Hamburg der Hapag auf einer Reise bei der Kaiser persönlich an Bord war.

Am 13.07.1906 kollidiert die Deutschland in Dover mit der Kaimauer und die Fahrt musste abgesagt werden. Die Passagiere wurden auf andere Schiffe umgebucht.

Zwei Tage später untersuchen Taucher das Schiff und stellen Beschädigungen am Bug fest, die eine Reparatur nötig machen. Die Reparaturen werden in Southampton durchgeführt.

In der Zweiten Hälfte des August erreicht die Deutschland dann wieder Hamburg und startet am 06. September zu ihrer nächsten Überfahrt.

Am 03. Mai 1907 springt ein Passagier über Bord. Sofort wird ein bemanntes Boot zu Wasser gelassen und die Deutschland gewendet. Aufgrund von aufziehendem Nebel musste dann erst das Boot geborgen werden bevor man weiter nach dem Mann suchen konnte. Später sichtete man von der Brücke aus eine Ansammlung von Vögeln die sich an einer Stelle im Meer versammelt hatten. Kapitän Kempff vermutete hier die Leiche des Mannes und hatte Recht. Die Leiche wurde geborgen

Nach rund 10 jähriger Dienstzeit wurde die Deutschland dann bei ihrer Bauwerft komplett umgebaut. Nun wurde aus dem ehemaligen Rekordbrecher das größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Das Schiff bekam auch einen neuen Name und konnte am 23. September 1911 seine erste Reise als Victoria Luise beginnen. An Bord waren 531 Passagiere und es wurden auch 1089 Postsäcke befördert.

Im Jahr 1913 deuteteten diverse Berichte des Kapitäns darauf hin, dass das Schiff in einem ziemlich miesen Zustand war. Die Rettungsboote fingen an zu verrotten so dass sie teilweise mit Segeltuch abgedichtet werden mussten. Außerdem herrschte an Bord eine Rattenplage, alleine in einer Nacht wurden in einer Sammelfalle 15 der Nager gefangen.

Die Hansa
Sammlung Thorsten Totzke


Anfang August 1914 wurde die Victoria Luise dann als Hilfskreuzer requiriert. Nach der Umrüstung wurde das Schiff aber nicht eingesetzt da die Kesselanlagen für Hochleistungsbetrieb nicht mehr geeignet waren. Daher wurde das Schiff am 08. August 1914 bereits wieder aus dem Kriegsdienst entlassen und in Hamburg für die Dauer des Krieges aufgelegt.

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges verzichteten die Siegermächte auf eine Ablieferung des Schiffes wegen dem schlechten Zustand in dem es sich befand. Dadurch bleibt das Schiff als einziger großer Dampfer unter deutscher Flagge.

1920 wurde dann auf der Vulcan Werft in Hamburg mit dem Umbau und der Renovierung des Schiffes begonnen. Die Fertigstellung wurde jedoch durch zwei Brände an Bord, am 13.10.1920 und am 26.11.1920 verzögert ,so dass die Probefahrten erst am 10. Oktober 1921 stattfinden konnten.

Am 12. Oktober liegt das Schiff nun mit seinem neuen Namen Hansa, und mit nur noch zwei Schornsteinen, am Kaiser Wilhelm Höft in Hamburg und wird für seine erste Reise vorbereitet.

Am 27. Oktober 1921 begann die erste Reise der Hansa von Hamburg nach New York. 1922 wurde das Schiff noch mal umgebaut und ab 1924 wurde es in den Hamburg - Kanada Dienst verlegt.

Am 21. Oktober 1924 erreichte die Hansa zum letzten Mal ihren Heimathafen Hamburg und sollte diesen auch nicht mehr verlassen. Am 13. Mai 1925 wurde das Schiff zum Abwracken verkauft und am 28. Mai 1925 wurde das Schiff der Vulcan Werft in Hamburg übergeben.


Speisekarte von Bord der Hansa
Sammlung Thorsten Totzke