Georgic
Der letzte White Star Liner

 

von Thorsten Totzke


Georgic
Sammlung Thorsten Totzke

Als am 12. November 1931 der White Star Liner Georgic bei Harland & Wolff in Belfast von Stapel lief, ahnte niemand, daß dies das Ende einer Zusammenarbeit sein würde, in deren Verlauf die Werft insgesamt 80 Schiffe für die Reederei gebaut hatte.


Georgic im Bau
Sammlung Thorsten Totzke

Nach erfolgreich bestandener Probefahrt und der Übergabe an die White Star Line ging das neue Schiff am 25. Juni 1932 unter dem Kommando von F. F. Summers, der bis dahin das Schwesterschiff Britannic kommandiert hatte, auf seine Jungfernreise von Liverpool nach New York.


Georgic im Bau
Sammlung Thorsten Totzke

Am 11. Januar 1933 ging die Olympic zur Überholung und der Georgic wurde die Ehre zuteil, die berühmte "Old Reliable" für zwei Fahrten auf der Strecke Southampton - New York zu ersetzen.

In Southampton wurde die Georgic von 2000 Menschen besichtigt. Die Einnahmen dieser Besichtigungstour wurden an lokale Einrichtungen in Southampton verteilt.


Georgic im Bau
Sammlung Thorsten Totzke

Nachdem die Cunard Line und die White Star Line 1934 zur neuen Cunard-White Star Line fusionierten, gehörte die Georgic zu den White Star Schiffen, die von dieser neue Reederei übernommen wurden.

Im Januar 1935 verzögerte sich eine Abfahrt aus New York um einige Stunden, nachdem im vorderen Laderaum ein Feuer ausgebrochen war, das aber schnell gelöscht werden konnte.


Georgic im Bau
Sammlung Thorsten Totzke

Ab dem 03. Mai 1935 wurde die Georgic dann auf der Route London - New York eingesetzt, wo sie die nächsten Jahre ihren Dienst tat, bevor sie im September 1939 wieder von Liverpool nach New York fuhr.

Von September 1939 bis zum März 1940 machte sie 5 Rundreisen auf dieser Strecke, bevor sie am 11. März 1940 als Truppentransporter requiriert wurde.


Die Funkkabine der Georgic im Schornstein
Sammlung Thorsten Totzke

Die Georgic traf am 19. April 1940 am Clyde ein und wurde dort in aller Eile zum Truppentransporter umgerüstet. In der nächsten Zeit machte das nun dunkelgrau gestrichene Schiff mehrere Truppentransporte und half unter anderem bei der Evakuierung von Soldaten aus Narvik in Norwegen und Brest und St. Nazaire in Frankreich.

Am 22. Mai 1941 verließ die Georgic England mit der 50th Northumberland Division mit Ziel Port Tewfik in Ägypten. Hier traf sie am 07. Juli 1941 ein und, nachdem die Truppen ausgeladen waren, wartete das Schiff auf den Befehl zur Rückreise.

Am 14. Juli um 0:30 Uhr wurde in Port Tewik der Alarm für einen Luftangriff gegeben.

Die Georgic war das größte Ziel, das im Hafen lag. Captain Greig ließ die Flak-Geschütze bemannen, die Lichter abdunkeln und die wasserdichten Schotten schließen.


Die Georgic in New York
Sammlung Thorsten Totzke

Außerdem setzte er die Feuerwehrmänner in Alarmzustand. Dutzende deutscher Bomber griffen Port Tewik an und überall ratterten die Flak-Geschütze.

Die ersten zwei Stunden sah es so aus, als sollten die Schiffe im Hafen verschont bleiben. Aber nachdem die deutschen Bomber ihre Ziele zerstört hatten und noch Bomben übrig waren, griffen die Bomber den Hafen und dort natürlich das größte Ziel, die Georgic, an. Erst eine, dann eine zweite und dritte Bombe schlugen in der Nähe des Schiffes ein.

Insgesamt 5 Bomben gingen in der Nähe des Schiffes nieder, bevor die 6 Bombe ihr Ziel traf. Nun prasselten mehrere Bomben auf die Georgic nieder und setzten das Schiff in Brand.


Speisesaal
Sammlung Thorsten Totzke

Captain Greig konnte das Schiff nicht im Hafen ausbrennen lassen. Wenn das Schiff verloren wäre, würde es einen wichtigen Platz in dem kleinen Hafen blockieren.

Daher steuerte der Captain das Schiff brennend aus dem Hafen und nur 90 Minuten nach dem Angriff setzte er die Georgic auf einem Riff vor dem Hafen auf Grund.

Das Feuer brannte noch zwei Tage lang und am 17. Juli ging Captain Greig mit einigen Leuten an Bord des ausgebrannten Schiffes, um den Schaden zu besichtigen. Erstaunlicherweise fand er die Maschine zwar unter Wasser, ansonsten aber unbeschädigt vor.


Turnhalle
Sammlung Thorsten Totzke

Es wurden beschlossen, das Schiff zu heben. Am 27. Oktober war es geschafft und die Georgic schwamm wieder.

Nun wurde alles für die Fahrt nach Port Sudan vorbereitet und am 29. Dezember 1941 begannen die Frachter Clan Campbell (Clan Line) und City of Sydney (Ellerman Lines) mit der Schleppfahrt.


Britannic und Georgic
Sammlung Thorsten Totzke

Am 10. Januar 1942 traf der Schleppverband in Port Sudan ein, wo weitere provisorische Reparaturen an der Georgic durchgeführt wurden.

Von Port Sudan ging es am 05. März in Schlepp der Frachter Haresfield und Recorder sowie dem Schlepper Pauline Moller nach Karachi, wo der Verband am 01. April eintraf.


Georgic im Krieg mit nur einem Schornstein
Sammlung Thorsten Totzke

Hier wurden nun weitere Reparaturarbeiten durchgeführt, bevor die Georgic nach Bombay gebracht wurde und dort am 13. Dezember 1942 ins Trockendock ging.

Am 20. Januar 1943 verließ die Georgic Bombay mit Ziel Liverpool und ging anschließend nach Belfast, wo sie bei Harland & Wolff erneut als zum Truppentransporter fertiggestellt wurde.

Hierbei wird der vordere Schornstein und der achtere Mast ausgebaut. Anschließend wird die Georgic offiziell an das Ministry of War Transport verkauft, bleibt aber unter der Bereederung von Cunard-White Star.


Georgic
Sammlung Thorsten Totzke

Die Umbauarbeiten dauern bis Dezember 1944, bevor das Schiff wieder in Dienst gestellt wurde.

Nach dem der Krieg zu Ende war, transportierte die Georgic fleißig italienische, englische und amerikanische Truppen in ihre Heimat.

Im September 1948 wurde sie als Truppentransporter außer Dienst gestellt und bei der Werft Palmers & Co, Hebburnz zum Einklassenauswandererschiff umgebaut.


Georgic im Krieg mit nur einem Schornstein
Sammlung Thorsten Totzke

Am 11. Januar 1949 startete sie zu ihrer ersten Reise Liverpool - Sydney und am 04. Mai 1950 unternahm sie ihre erste Nachkriegsreise Liverpool - New York. Bis 1955 blieb sie wechselnd im Australien und Nordatlantikdienst eingesetzt.

Im Januar 1956 wurde das Schiff an die Shipbreaking Industries verkauft und am 01. Februar 1956 erreichte die Georgic Faslane, wo sie abgewrackt wurde.


Lettercard der Georgic
Sammlung Thorsten Totzke

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